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1. Gebissloses Reiten Die ersten Versuche machten wir ausgerechnet mit den
"schwierigsten" Pferden. Nun sind im Herdenverband gehaltene Pferde ohnehin
recht selbstbewusst. Aber unsere Nimue - mit den typischen
Shagya-Eigenschaften (totale Bezogenheit auf EINEN Menschen) gepaart mit dem
klassischen Einzelkind-Grosskotzigkeits-Phänomen - ist da ein Fall für sich.
Ein Gebiss machte auf sie keinerlei Eindruck, eher sah sie es als
Herausforderung. Rodeo-Gehabe, hochgerissener Kopf und alles andere als
Gehorsam waren der Ausgangspunkt. Also hatte mein Mann (ihr Mensch) nichts
zu verlieren. Nun bleibt es dabei: Wir reiten unsere Pferde Gebiss- und Drucklos. Nur die Fohlen
müssen vorübergehend da durch - Lernen geht nicht nur mit Zuckerbrot ... 2. Offenstallhaltung Sinn, Zweck und Vorteile der Offenstallhaltung Als Fluchttier ist das Pferd schon aus psychischen Gründen darauf angewiesen, einen nicht unbeträchtlichen Bewegungsspielraum zur Verfügung zu haben. Schon allein aus diesem Grund grenzt die Boxenhaltung an Tierquälerei. Dazu kommen Mängel durch einseitige Ernährung und zu wenig Bewegung bei der Stallhaltung. Nun ist das Pferd aber auch ein Herdentier. Dabei werden in der freien Natur Machtkämpfe um die Position innerhalb der Herde ausgetragen, die in der Regel unblutig sind und sich meist auf 'psychologische Kriegsführung' beschränken. Nur in einem so geordneten Herdenverband lernen Pferde voneinander, statt nur vom Menschen. Und sowohl die Erfolgserlebnisse, als auch die errungene Position stärken das Selbstbewusstsein, schaffen auch ein höheres Maß an Ausgeglichenheit. So ein Herdenverband muss aber nicht groß sein. Schon zwei Pferde profitieren voneinander. Idealerweise sollten es aber vier oder mehr Pferde sein. Wer jetzt schon mit Blick auf die Kosten abwinkt, möge bedenken, dass mancher Halter eines Boxenpferdes gern bereit ist, zum gleichen Einstallbetrag sein Pferd in Offenstallhaltung zu geben. Das kommt sowohl seinem Pferd zugute, als auch der Kostenbilanz des Offenstallbetreibers. Was braucht man für die Offenstallhaltung? Natürlich hat der Großstadtmensch in Berlin
oder München da mehr Probleme. Aber auf dem Land und auch in der Peripherie großer
Städte gibt es oft gutes Weideland billig zu pachten. Etwa 50 bis
150 Euro Pacht pro Jahr
und Hektar sollten genügen. Stroh ist billigst von den Getreidebauern zu erwerben, denn
es ist ein Abfallprodukt. |