Pferdehaltung anders

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1. Gebissloses Reiten

Die ersten Versuche machten wir ausgerechnet mit den "schwierigsten" Pferden. Nun sind im Herdenverband gehaltene Pferde ohnehin recht selbstbewusst. Aber unsere Nimue - mit den typischen Shagya-Eigenschaften (totale Bezogenheit auf EINEN Menschen) gepaart mit dem klassischen Einzelkind-Grosskotzigkeits-Phänomen - ist da ein Fall für sich. Ein Gebiss machte auf sie keinerlei Eindruck, eher sah sie es als Herausforderung. Rodeo-Gehabe, hochgerissener Kopf und alles andere als Gehorsam waren der Ausgangspunkt. Also hatte mein Mann (ihr Mensch) nichts zu verlieren.
Das Wunder passierte: völlig ohne Gebiss, Hackamore  usw., nur mit einem Lederhalfter ging sie (nicht von Anfang an, da testete sie nach wie vor ihre Widerstandschancen) einwandfrei und sichtbar glücklich.
Bei unserer mittlerweile verstorbenen älteren Stute Leila hatte er das zuvor schon längere Zeit erfolgreich praktiziert. Nun wollte ich es wissen. Meine englische Vollblutstute Igielka und meine Budjohnny-Ziehmutter Lara waren das Gebiss und eine relativ enge Anlehnung gewöhnt. Igielka probierte ich zuerst mit Hackamore aus - sie war glücklich - und ich setzte das Hackamore nicht ein. Jetzt habe ich ihr ein reines Lederhalfter ohne Druckmittel gebastelt.
Lara ritt mein Mann zuerst gebisslos, sie reagierte auf kleinste Impulse und war absolut happy.

Nun bleibt es dabei:

Wir reiten unsere Pferde Gebiss- und Drucklos. Nur die Fohlen müssen vorübergehend da durch - Lernen geht nicht nur mit Zuckerbrot ...
Die wichtige Erkenntnis ist wohl nachvollziehbar:
1.
Wenn 500 kg Pferd etwas partout nicht wollen hilft auch kein Gebiss.
2. Wenn Dein Pferd Dich liebt und achtet pariert es freiwillig, weil es Dir gefallen will.

2. Offenstallhaltung

Sinn, Zweck und Vorteile der Offenstallhaltung

Als Fluchttier ist das Pferd schon aus psychischen Gründen darauf angewiesen, einen nicht unbeträchtlichen Bewegungsspielraum zur Verfügung zu haben. Schon allein aus diesem Grund grenzt die Boxenhaltung an Tierquälerei. Dazu kommen Mängel durch einseitige Ernährung und zu wenig Bewegung bei der Stallhaltung. Nun ist das Pferd aber auch ein Herdentier. Dabei werden in der freien Natur Machtkämpfe um die Position innerhalb der Herde ausgetragen, die in der Regel unblutig sind und sich meist auf 'psychologische Kriegsführung' beschränken.

Nur in einem so geordneten Herdenverband lernen Pferde voneinander, statt nur vom Menschen. Und sowohl die Erfolgserlebnisse, als auch die errungene Position stärken das Selbstbewusstsein, schaffen auch ein höheres Maß an Ausgeglichenheit.

So ein Herdenverband muss aber nicht groß sein. Schon zwei Pferde profitieren voneinander. Idealerweise sollten es aber vier oder mehr Pferde sein. Wer jetzt schon mit Blick auf die Kosten abwinkt, möge bedenken, dass mancher Halter eines Boxenpferdes gern bereit ist, zum gleichen Einstallbetrag sein Pferd in Offenstallhaltung zu geben. Das kommt sowohl seinem Pferd zugute, als auch der Kostenbilanz des Offenstallbetreibers.

Was braucht man für die Offenstallhaltung?

Natürlich hat der Großstadtmensch in Berlin oder München da mehr Probleme. Aber auf dem Land und auch in der Peripherie großer Städte gibt es oft gutes Weideland billig zu pachten. Etwa 50 bis 150 Euro Pacht pro Jahr und Hektar sollten genügen.
Pro Pferd sollte man wenigstens einen halben Hektar Weideland einplanen. Dazu noch mal einen halben Hektar als Heuwiese, das ist billiger als der Zukauf von Heu.

Stroh ist billigst von den Getreidebauern zu erwerben, denn es ist ein Abfallprodukt.
Nun gehört zur Offenstallhaltung, wie der Name schon sagt, natürlich auch ein Stall. Vielleicht ist auf dem gepachteten Land noch eine Scheune vorhanden? Auch wenn nicht: Einen Offenstall kann man bauen. Etwa 15 qm pro Pferd sollten es schon sein, denn Pferde, die sich wohl fühlen, liegen auch bisweilen gern im Stall. Wichtig aber ist, dass der Stall zur Weide hin permanent (!) offen ist, und dass dieser Ausgang wenigstens so breit ist, dass ihn zwei Pferde bequem nebeneinander passieren können. Je breiter, desto besser. Natürlich ist die ideale Seite dafür die wind- und wettergeschütze Seite.